Mit großer Trauer nimmt die Basketballgemeinschaft des USV Halle Rhinos Abschied von Siegfried Käsebier, einem der prägendsten Basketball-Persönlichkeiten in Halle (Saale). Siegfried Käsebier, der 1931 in Dessau geboren wurde, verstarb im Alter von 94 Jahren.

Siegfried Käsebier war Gründungsmitglied der Sektion Basketball des USV Halle sowie Ehrenmitglied des USV Halle und über Jahrzehnte hinweg Lehrer, Trainer, internationaler Schiedsrichter, Funktionär und Mentor für Generationen von Basketballerinnen und Basketballern.

Bereits kurz nach der Gründung der Sektion Basketball betreute er ab 1952/53 die ersten Jugendmannschaften und legte damit einen wichtigen Grundstein für die Entwicklung des Basketballsports in Halle. 1956 führte er die A-Jugend des SC Wissenschaft Halle zur DDR-Meisterschaft. In den folgenden Jahren prägte er den Spitzenbasketball der DDR maßgeblich:

Als Trainer der ASG Vorwärts Halle führte er sein Team 1959 zur Vizemeisterschaft und gewann mit dem ASK Vorwärts Leipzig 1962 und von 1965 bis 1969 die DDR-Meisterschaft. Zudem war er Trainer der DDR-Nationalmannschaft (1958 bis 1963) sowie der Junioren-Nationalmannschaft (1959/60) und nahm an internationalen Turnieren und Europameisterschaften teil.

Größte Erfolge als Auswahltrainer

1960: Sieg bei den innerdeutschen  Ausscheidungsspielen gegen die BRD und damit für die erste Gesamtdeutsche Olympiamannschaft der Olympischen Spiele in Rom qualifiziert (im vorolympischen Turnier in Bologna wurde die Endrunde nicht erreicht)
1963: 6. Platz bei der XIII. Europameisterschaft in Wroclaw (Breslau), die beste Platzierung einer deutschen Herrenmannschaft vor der Wiedervereinigung

Neben seiner außergewöhnlichen Trainerlaufbahn machte sich Siegfried Käsebier auch als international hoch angesehener Schiedsrichter einen Namen. Er leitete über 1.100 Spiele, davon 365 internationale Einsätze, war bei Europameisterschaften, Olympischen Qualifikationsturnieren und Europapokalspielen im Einsatz und wirkte nach seiner aktiven Laufbahn als Technischer Kommissar und Schiedsrichterbeobachter der FIBA. Zahlreiche Spitzenschiedsrichter gingen aus seiner Mentorenarbeit hervor.

Auch nach dem Ende der DDR blieb er dem Basketball eng verbunden und engagierte sich von 1990 bis 1996 als Schiedsrichterwart im Basketball-Verband Sachsen-Anhalt (BVSA).
Beruflich war er nach dem Wegfall der Förderung von Basketball als Hochleistungssport in der DDR ab 1969 viele Jahre als Sport- und Chemielehrer an der Erweiterten Oberschule „Thomas Müntzer“, ab 1990 am Thomas-Müntzer-Gymnasium in Halle tätig.

Für sein außergewöhnliches Lebenswerk wurde Siegfried Käsebier vielfach ausgezeichnet. Bereits 1978 erhielt er die staatliche Auszeichnung „Meister des Sports“. 1996 wurde ihm die Ehrennadel des Deutschen Basketball Bundes (DBB) in Gold verliehen. Der Basketball-Verband Sachsen-Anhalt (BVSA) zeichnete ihn 2002 mit der Ehrennadel in Gold aus. Seit 2006 war Siegfried Käsebier Ehrenmitglied des USV Halle e. V.

Zuletzt durften wir ihn im März 2024 gemeinsam mit seiner Frau bei der Ehrungsveranstaltung des BVSA persönlich begrüßen, ein bewegender Moment, der vielen von uns in Erinnerung bleiben wird.

Mit Siegfried Käsebier verlieren wir einen außergewöhnlichen Menschen, der den Basketball in Halle über Jahrzehnte geprägt hat – fachlich, menschlich und mit unermüdlicher Leidenschaft.

Ruhe in Frieden. Siegfried Käsebier

Lehrer. Trainer. Internationaler Schiedsrichter. Mentor. Eine der wichtigsten Basketball-Persönlichkeiten aus Halle an der Saale.

Unsere Gedanken sind bei seiner Frau, seiner Familie und seinen Angehörigen. Die USV Halle Rhinos werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren.